Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute wäre wieder einer jener Tage, an denen die Konstanzer Heimatzeitung von der Stuttgarter Zeitung lernen könnte.  In der Stuttgarter haben wir heute wieder einmal eine Lektion über seriöse Wahlberichterstattung entdeckt, wie wir sie bei der OB-Wahl in Konstanz vor ein paar Monaten  leider vermisst hatten.

Seit Samstag und Sonntag hängen sie in der Landeshauptstadt: Wir meinen die Wahlplakate im öffentlichen Raum. Die ersten haben wir am Samstag beim Durchfahren an der B 14 gesehen.

Die Stuttgarter Zeitung hat zum Wochenstart gleich einmal die großflächigen Visitenkarten analysieren lassen und zwar von jemandem, der sich damit auskennt.

Genauso wie der in Konstanz zum OB gewählte grün angestrichene  Uli Burchardt gibt CDU-Kandidat Sebastian Turner in Stuttgart den Grünen, wenn er sich für ein Plakatfoto vor Sonnenblumen ablichten lässt. Um die konservative Klientel nicht zu verschrecken, ließ Turner allerdings auch noch ein zweites Plakatmotiv aufhängen, das ihn seriös mit Anzug und Krawatte zeigt.

Der von der Stuttgarter Zeitung engagierte Diplom-Designer und Autor Achim Schaffrinna stellte bei seinem Plakat-Check  richtigerweise fest:  „Turner wirkt in seiner Inszenierung auf diesem Plakat wie ein Grünen-Politiker.“ Der Diplom-Designer und Autor Achim Schaffrinna bloggt seit 2006 von Hannover aus in seinem Design-Tagebuch zum Thema Kommunikationsdesign.

Der Auftritt Turners ähnelt wirklich sehr dem von Burchardt in Konstanz, der mit dem Spruch „Nachhaltigkeit ist mein grüner Faden“ geworben hatte.  Zu Grunde liegt die selbe Strategie, die am Bodensee durchaus zum Erfolg führte. In Konstanz sollen Wählerinnen und Wähler dem Vernehmen nach Burchardt ihre Stimme gegeben haben, weil sie ihn für grün, mindestens aber für parteilos hielten und ihn nie der CDU zugeordnete hätten. Dass ihn die CDU unterstützt hatte, wurde von vielen anscheinend gar nicht bemerkt.

Womöglich ist es der größte Fehler von Sabine Reiser gewesen, ein Kampagnenfoto zu wählen, auf dem sie extrem konservativ wirkte. So wurde sie in der öffentlichen Wahrnehmung fälschlicherweise zur CDU-Kandidatin, obwohl sie anders als Burchardt gar nicht von der CDU unterstützt wurde. Im ersten Wahlgang lag sie noch vorn. Im zweiten holte dann Burchardt die meisten Stimmen. Ob das in Stuttgart auch so funktioniert?

Am kommenden Montag, 10. September, um 16  Uhr beginnt  im Konstanzer Ratssaal übrigens die Sondersitzung des Gemeinderats anlässlich der feierlichen Vereidigung und Verpflichtung von Uli Burchardt zum Oberbürgermeister der Stadt Konstanz. Unter anderem werden die Faktionsvorsitzenden und ein Sprecher einer Gruppierung, die keine Fraktionsstärke hat, Grußworte sprechen. So steht es in der Einladung der Stadt. Wer möchte, kann dabei sein.

Für genauso relevant halten wir heute Morgen aber auch die Mitteilung, dass die Wassertemperatur im Seerhein, gemessen im Konstanzer Rehinstrandbad, noch bei 19 Grad liegt. Da sich etwa 66 Prozent der Konstanzer gar nicht für die OB-Wahl interessiert und gewählt hatten, könnte sie diese Nachricht vielleicht sogar noch mehr bewegen als das Datum der Amtseinführung.

Starten Sie gut in den Dienstag! Es muss ja nicht gleich mit einem Sprung von der Fahrradbrücke sein.

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    28. August 2012 at 23:38 #

    … Der Auftritt Turners ähnelt wirklich sehr dem von Burchardt in Konstanz, der mit dem Spruch “Nachhaltigkeit ist mein grüner Faden” geworben hatte. …

    Anlässlich der OB-Wahl hatte ich den modernen Begriff „Nachhaltigkeit“ bei Wikipedia nachgelesen, dessen Ursprung bei der „Forst- und Landwirtschaft“ zu finden sind. Zum politischer Begriff konnte ich äusserst wenig finden und habe aus dem Bezug zur Natur vermutet, dass „strategisches Management“ im Sinne einer langfristigen Entwicklungs-Planung bzw. Zielsetzungen handelt (im Gegensatz zu kurz- und mittelfristigen Entscheidungen).

    Da dieser private Blog sich ökologischen Themen sehr aufgeschlossen zeigt, habe ich mir folgenden Linkhinweis erlaubt:

    Deutscher Forstverein tagt 2013 in Wernigerode
    http://www.wernigerode.de/de/news-details/deutscher-forstverein-tagr-2013-in-wernigerode-20030206.html

    Wernigerode ist als „Bunte Stadt“ bekannt: CDU, SPD und Linke haben jeweils ca. 33% Anteil am Stadtrat. Der OB ist partei-neutral (unparteilich) und auch gelernter Förster. In den Neuen BL scheinen Medien eher leisere Töne zu bevorzugen; auf der städtischen Website wird bei Namen eher nicht die Partei in Klammern zusätzlich erwähnt. Ausnahme war ein Arbeitsbesuch der Linken-Spitze aus der Magdeburg auf Einladung der örtlichen Abgeordneten mit einem Bild vom Rathaus-Empfang und ein paar sachlich-nüchternen Zeilen.
    Da ich die Leute als sehr angenehm und umgänglich empfunden habe, dürften Kontakte von ökologischen und politischen Gruppen willkommen sein. Wie man in Medien lesen konnte, hat KN ökologisch viel zu bieten, was bisher eher die Chinesen bemerkt haben. Normalerweise besuchen Kurzzeit-Touristen die Region, um sich die Füsse zu vertreten und das Großstadt-Leben etwas zu vergessen.

    Entdecken Sie den Harz und eine ganze Region in 120.000 Bildern
    http://www.raymond-faure.com/index_harz_de.htm

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